Let's Talk mit Dr. Enise Lauterbach: Von der Ärztin zur Digital Health Gründerin

Datum: 17.06.2021




Bereits seit Beginn des Sommersemesters arbeitet beyond medicine mit dem REACH Euregio Start-up Center zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation haben wir Frau Dr. Enise Lauterbach für unser Kooperationsevent „Let’s Talk“ am 17.06.2021 eingeladen.

Frau Lauterbach war nach ihrer medizinischen Ausbildung an der Universität Mainz bis 2019 Chefärztin der kardiologischen Abteilung des Zentrums für ambulante Rehabilitation in Trier. Während ihrer Tätigkeit als Kardiologin stellte sich bei Frau Lauterbach immer mehr das frustrierende Gefühl ein, Patient:innen nicht zeitgemäß versorgen zu können. Dabei bekam sie zu dieser Zeit häufig das Feedback: „Ihre Art Medizin zu machen ist so anders – machen sie das doch mal digital!“. Sie kehrte daraufhin der Klinik den Rücken zu und machte sich selbstständig, denn der klinische Alltag verlangte viel Zeit und sie wollte sich voll auf ihre Pläne im Bereich der Digitalen Medizin konzentrieren.


Im Rahmen ihrer Gründung von LEMOA Medical, möchte Dr. Lauterbach die digitale Transformation der Herzinsuffizienz-Therapie weiterentwickeln. Sie nutzt dabei künstliche Intelligenz für die Entwicklung eines tragbaren Herzmonitors, den „Herz-Helden”. Er überwacht Patientendaten und sammelt sie per Smartwatch und Smartphone. So soll früher erkannt werden, wenn sich der Zustand von Patient:innen verschlechtert – frei nach dem Motto „kleine Probleme lösen um große Probleme zu vermeiden“.


Lauterbach: „Gesundheit sollte demokratisch verteilt sein, da hat auch Prävention einen Stellenwert.“

Außerdem entwickelte sie den Messenger-Dienst „Consilium“, mit dem die Kommunikation in der Patientenversorgung verbessert werden kann, ohne Abstriche beim Thema Datenschutz zu machen. Für ihre Entwicklungen wurde Dr. Lauterbach im Oktober 2019 von der Industrie- und Handelskammer Trier mit dem Gründerinnenpreis ausgezeichnet. Den Status Quo im deutschen Gesundheitswesen beschrieb Dr. Lauterbach von der Krankenkasse bis zur Fachgesellschaft als starr und rigide. Ein eher schwieriges Umfeld für kreative Köpfe mit innovativen Ideen.

Gerade bei ihrer Kritik an oftmals angestaubt anmutenden EDV-Systemen vieler Kliniken erntete sie die Zustimmung des Plenums. „Wo bleibt die Digitalisierung? Was ist das für ein Leben, wenn ich zehn IDs und Passwörter brauche um den selben Patienten in den verschiedenen Systemen und Datenbanken einzupflegen? Wie kann es sein, dass ich die komplizierteste Herzrhytmusstörung erkennen kann, aber nicht in der Lage bin die einfachsten Sachen zu digitalisieren?“


Wie wichtig es ist, dass Mediziner:innen beim Digitalisieren der Gesundheitsversorgung auch selbst anpacken erklärte Frau Lauterbach sehr anschaulich: „Eine gute digitale Gesundheitswanwendung muss patientenzentriert sein, sonst funktioniert das nicht. Wie soll denn jemand, der noch nie einen Patienten aufgenommen hat verstehen worauf es ankommt?“. Ins Plenum fragte sie außerdem, ob irgendjemand zukünftig seine Gesundheitsdaten lieber Großkonzernen wie Apple, Google oder Amazon zur Verfügung stellen würde als Mediziner:innen. Diese sieht sie durch den hippokratischen Eid geradezu dazu verpflichtet „das zu machen“, also den Patient:innen in Zukunft auch „Datenmedizin“ zur Verfügung zu stellen.


Besonders betont hat Frau Dr. Lauterbach während der Diskussion mit dem Publikum auch das Thema intersektionielles Arbeiten. So versucht sie, die Zusammenarbeit verschiedener Berufsdisziplinen im Krankenhaus als Lehre für ihr Leben als Gründerin zu betrachten. „Gemeinsame Sprache muss man lernen, gerade auch indem man die richtigen Fragen stellt. Auch mit Mathematikern muss man über schwierige Themen wie Gesundheitsprobleme reden können.“


Wir sind uns sicher, dass Frau Dr. Lauterbach mit Hilfe dieser intersektionellen Arbeit in der Medizin einiges zum Positiven bewegen wird – und wir Ärzt:innen müssen vielleicht bald nicht mehr


"wie Trüffelschweine zahllose Arztbriefe nach lebenswichtigen Informationen durchsuchen".
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