Smart-Device basierte Diagnostik: Impulsvortrag mit Prof. Julian Varghese

Datum: 10.06.2021, 19:00 Uhr

Seit seinem Studium der Humanmedizin an unserer Heimatuniversität Münster und einem parallelen Fernstudium in Deutschland und England in der Informatik, arbeitet Prof. Varghese seit 2013 am Institut für wissenschaftliche Informatik der WWU Münster. Seit 2021 ist er nun Professor für Medizinische Informatik.


2018 begann sein großes Projekt „Smart-Device-System“ in Kooperation mit der Klinik für Neurologie. In einer 10-minütigen Untersuchung, werden mithilfe von Smart Watches und Tablets dynamische Daten zur Tremordiagnostik bei Parkinsonerkrankten gesammelt. Aufgrund der stetig steigenden Relevanz der Erkrankung in unserer fortschreitend alternden Bevölkerung, forscht Prof. Varghese an der Verbesserung der besonders frühen Diagnostik der Bewegungsstörung.


Analog zu erhöhten Laborentzündungswerten für einen Harnwegsinfekt gibt es heute keinen einfachen Laborwert für die Parkinsondiagnostik. Diese sucht Prof. Varghese in standardisierten Untersuchungsabläufen, um diverse Machine Learning Modelle mit sogenannten „Features“ zu füttern und zu überprüfen, ob die Diagnoseerfolgsquoten von Bewegungsstörungsexperten anhand der entwickelten Untersuchung übertroffen werden können.


Mit den Worten:


„KI ist eine überschätzte, aber wachsende und zyklische Aktie! Wir leben aktuell in einem KI-Sommer. Der Winter wird (wieder) kommen!“


drückte Prof. Varghese aber auch auf die Euphoriebremse und sprach den zweiten Schwerpunkt des Instituts für medizinische Informatik Münster an. Strukturierte Daten und Interoperabilität gilt es sicherzustellen, um in Zukunft die Künstliche Intelligenz mit brauchbaren Daten zu füttern.


Wie betrifft dies die Medizinstudierenden? Prof. Varghese konnte die Fortbildung der Ärzt:innen von Morgen durch das Verankern von Schlagwörtern wie „Neuronale Netze“ im Gegenstandskatalog des IMPP Einfluss nehmen, um den Eintritt der Digitalisierung in die (junge) Medizin voranzutreiben.


Auch auf Nachfrage in der abschließenden Diskussion stellte Prof. Varghese klar: „Nicht jede:r Mediziner:in muss in Zukunft programmieren können“. Dennoch sollen Mediziner:innen der Zukunft in der Lage sein, die Gütekriterien einer Studie mit Machine Learning zu erkennen und zu bewerten, um neue Erkenntnisse zum Wohle der Patient:innen richtig einordnen zu können.

Wir danken Prof. Varghese für den tollen Vortrag und allen, die eingeschaltet haben, für euer Interesse und die spannende Diskussionsrunde!

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